Donnerstag

Abspann & Danke 2010




Es war eine geradezu intime Premiere von "Celluloid against Aids" 2010, aber es war dabei nicht minder schön. Nachdenklich, berührend, zurückgenommen, unprätentiös und menschlich - im Grunde genau so, wie solche Filmfeste idealerweise sein sollten. Und es hat sich erneut bewiesen, welche Kraft der Film und das Kino haben. Kino-Film bewegt Menschen! In dieser Überzeugung wurde ich durch "Celluloid against Aids" einmal mehr bestärkt. 

Filmfeste wie dieses zu machen, ist harte Arbeit. Und ein Publikum für sie zu interessieren, ist dabei der Arbeit schwierigster Teil. Hier können, müssen, wollen wir uns verbessern. Ob man sich dabei über die  Ignoranz der Presse wirklich Gedanken machen sollten, wage ich zu bezweifeln. Zumal der Zustand der lokalen Presse in Potsdam sowieso beklagenswert ist. Es sei dahingestellt, ob man wirklich noch Zeit in die Pressearbeit investieren muss.

Zum Abschluss gebührt die Aufmerksamkeit und mein ganz persönlicher Dank folgenden Menschen und Institutionen:

Filmmuseum Potsdam
Sachiko Schmidt
Kai Schönherr
Birgit Acar
& die Mitarbeiter von Projektion, Technik und Kasse

Edition Salzgeber, Berlin
Björn Koll
Jan Künemund
Jürgen Pohl

Katte e.V., Potsdam
Carsten Bock
Jirka Witschak

Gutfilm, Potsdam
Ron Schulz

Queer-Kopf Fotografie, Potsdam
Burghard Mannhöfer

Orden der Schwestern der perpetuellen Indulgenz (OSPI), Berlin
& Schwester Dominique (Missionarin f. Potsdam)

I-AM-YOUR-FAVOURITE-Design, Weimar
Robert Müller

Ein besonderer Dank an unseren Gast:
Carsten Schatz (DAH)

Engel:
Eike & Johannes Schubert
Andreas Seier
André Wendler


Das 2. Celluloid against AIDS findet am 1. Dezember 2012 statt.


Potsdam, Dezember 2010

Manuel Schubert




Dienstag

MORGEN, am 1. Dezember 2010 ist es soweit - Potsdams Filmfest zum Welt-Aids-Tag feiert Premiere: Celluloid Against AIDS - ab 18 Uhr im Filmmuseum Potsdam.

Hier ein wunderbarer Trailer zu Derek Jarmans BLUE 
(konzipiert von Jan Künemund bei unserem Partner, der Edition Salzgeber)




PS: Angesichts der eisigen Temperaturen haben wir die Drinks im Foyer auf Glühwein und Tee umgestellt. Decken werden auch vorhanden sein. Es erwartet euch/sie also ein warmer Empfang.

* 5. September 1946 - † 24. November 1991



Still not forgotten!

Sonntag

"Ich habe als HIV-Positiver das Recht auf kondomlosen Sex"

Der Blogger Marcel Dahms (21), berichtet über ein Panel auf dem aktuellen "Positiventreffen", das vom 19. bis 21. November in der renommierten Akademie Walschlösschen stattfand: "EKAF-Report und seine juristischen Folgen" - auf dem auch die kontroverse Überschrift dieses Blogeintrags ausgerufen wurde. Wir dokumentieren Marcels sehr lesenswerten Text ungekürzt. 
(Weitere Infos auf teilzeitblogger)

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Weiter gehts mit meiner Berichterstattung zum 141. bundesweite Positiventreffen in der Akademie Waldschlösschen, nahe Göttingen. Nochmal zur Info: Auf der Seite des Waldschlösschens heißt es hierzu: "Die Positiventreffen finden seit 1986 statt und sind ein Fortbildungsangebot für Menschen aus allen Gruppen, die mit HIV/Aids leben."

Es geht quasi darum, sich aktiv und offen mit sich selber, den anderen Teilnehmer/innen und den unterschiedlichen Lebens- und Sichtweisen als Positive auseinander zu setzen, ungefähr so ähnlich oder eigentlich fast genau so, wie bei den Positiven Begegnungen, von denen ich bereits berichtet habe. Kurz: Austausch unter Positiven! Dieser findet innerhalb verschiedener Workshops statt, die immer einen bestimmten Themenschwerpunkt haben.


Der zweite Workshop den ich besucht habe, von welchem ich in diesem Eintrag auch berichte, heißt: "EKAF-Report und seine juristischen Folgen". Ich habe diesen Blogeintrag aber bewusst anders genannt, weil es so provokanter ist und mehr Leute darauf klicken. Ich will, dass Menschen die nicht viel mit HIV zu tun haben endlich davon erfahren und wer klickt schon einen Blogeintrag an der "EKAF-Report" heißt und bei dem man die Überschrift nicht versteht, weil man nicht mal weiß, was EKAF bedeutet?

Dieser Workshop fand nicht, wie die anderen bei denen ich war, halbtags statt, sondern ganztags, wobei wir am Vormittag eher allgemein besprochen haben, was der EKAF-Report ist und am Nachmittag auf eine persönlichere Ebene gegangen sind, um heraus zu finden, was der Report für uns persönlich bedeutet oder wie es unseren Alltag als HIV-Positive verändert, also welche Auswirkungen es hat.

Mir ist bewusst, dass hier viele Menschen mitlesen, die gar keine Ahnung haben, was gemeint ist, wenn ich vom EKAF-Report schreibe, daher zunächst eine Erklärung zur Bedeutung dieses Begriffs.


Die EKAF ist "Die Eidgenössische Kommission für Aidsfragen" in der Schweiz und hat am 30.01. 2008 ein Statement heaus gegeben, welches wie folgt lautete:
"Die Eidgenössische Kommission für Aidsfragen (EKAF) hält auf Antrag der Fachkommission Klink und Therapie des Bundesamtes für Gesundheit, nach Kenntnisnahme der wissenschaftlichen Fakten und nach eingehender Diskussion fest: Eine HIV-infizierte Person ohne andere STD unter einer antiretroviralen Therapie (ART) mit vollständig supprimierter Virämie (im Folgenden: «wirksame ART») ist sexuell nicht infektiös, d. h., sie gibt das HI-Virus über Sexualkontakte nicht weiter, solange folgende Bedingungen erfüllt sind:
- die antiretrovirale Therapie (ART) wird durch den HIV-infizierten Menschen eingehalten und durch den behandelnden Arzt kontrolliert;
- die Viruslast (VL) liegt seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze (d.h., die Virämie ist supprimiert);
- es bestehen keine Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Erregern (STD)."
Ich gebe zu: Wenn ich mich nicht so viel mit HIV auseinander setzen würde, wie ich tue, was bei den meisten von Euch der Fall sein dürfte, dann würde ich immer noch wahrscheinleich nur eins verstehen: Bahnhof!

Daher so gut wie möglich mit eigenen Worten nochmal erklärt: Nach eingehender Prüfung hat die EKAF festgestellt, dass ein HIV-Positiver, der verschiedene Bedingungen erfüllt, andere Menschen nicht beim Sex anstecken kann. Bedingungen:

- Der Positive ist in laufender Therapie, welche ärztlich kontrolliert wird.

- Er liegt mind. 6 Monate unter der Viruslast
(Je höher die Viruslast ist, desto "ansteckender" ist man als Positiver, bei einer Therapie soll die Viruslast reduziert werden, verkleinert sich also, irgendwann ist sie dann im besten Fall unter der sogenannten Nachweisgrenze)

- Es liegt keine andere sexuelle Krankheit vor
(z. B. Hepatitis, ein Tripper oder vieles mehr)

Ich bin ja immer ein Fan von Zahlen, um mal genauer zu werden: Das Risiko einer HIV-Übertragung beim Sex ohne Kondom, wenn der HIV-Positive die oben genannten Richtlinien erfüllt, ist deutlich geringer als 1:100000. Das verbleibende Restrisiko lässt sich zwar wissenschaftlich nicht ausschliessen, es ist aber nach Beurteilung der EKAF und der beteiligten Organisationen vernachlässigbar klein.

Was mich am meisten stört ist, dass die Gesellschaft oftmals gar nicht weiß, dass es dieses Statement gibt. Ich kenne ein Paar bei dem der eine HIV-Positiv ist und der andere HIV-Negativ - die beiden haben seit vielen Jahren ungeschützten Sex, weil der positive Partner unter die Richtlinien des EKAF-Statements fällt. Bisher ist der andere nicht infiziert worden.

Nach der Erklärung gehen wir nun auch gemeinsam auf die persönliche Ebene, wobei ich weniger davon berichten möchte, was in der Diskussion, die wir geführt haben, zur Debatte stand, sondern meine persönliche Sicht der Dinge erklären will.

Was bedeutet dieses Statement für mein Leben? Ich bin froh, dass es dieses Statement gibt, wobei mein Arzt mich auch schon vorher darüber aufgeklärt hat, als ich selber noch nicht darauf gestoßen war.

Warum bin ich froh darüber? Soll ich ehrlich sein?
Jeder von uns geht tagtäglich Risiken ein, manchmal bewusst und manchmal unbewusst. Ich habe die Hoffnung, wenn ich irgendwann eine Therapie beginne und die EKAF-Bedingungen erfülle, sowie einen HIV-Negativen Partner haben sollte, mit ihm gemeinsam entscheiden zu können, ob wir ohne Kondom Sex haben.

Es gibt wie gesagt ein Risiko, welches sehr gering ist, dies müsste mein Partner eingehen. Im Umkehrschluss gehe ich ebenfalls das Risiko ein, mir bei ihm andere Geschlechtskrankheiten zu holen. Aber es geht um Liebe, Sex und Lebensqualität. Es würde der Sexualität, zumindest ist das meine Meinung, mehr Qualität geben, wenn ich sie ohne Kondom ausleben könnte und wüsste, dass ich meinen Partner nur einen unglaublichen kleinen Gefahr einer Ansteckung aussetze.

ICH HABE ALS HIV-POSITIVER DAS RECHT AUF KONDOMLOSEN SEX!

Ich weiß, das ist Provokant und viele werden mich dafür verurteilen, dass ich dies sage, aber es ist ein gutes Gefühl. Wir sind keine Virusschleudern, keine Monster, keine Gefahr! Weil es durch die Medizin eine Möglichkeit gibt, Sex zu haben, der sicherer ist, als der Sex mit Kondom: Der "nicht-infektiöse" Sex, weil wir diese Bedingungen erfüllen.

Safer Sex ist eben nicht immer nur Sex mit Kondom!

PS: Es wurde auch über die juristischen Folgen gesprochen, also wie sieht das Ganze rechtlich aus. In der Schweiz ist das Ganze anerkannt, wo wir in Deutschland leider noch weit von entfernt sind. Ich bin in diesem Eintrag nicht auf die rechtlichen Aspekte eingegangen, weil dies zu ausführlich hätte geschehen müssen.

Bitte verbreitet dieses Statement so weit wie möglich! Es ist wirklich wichtig, dass dieses Thema in die Köpfe der Menschen gelangt!

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Direktlink zum Text auf Marcels Blog:
Ich habe als HIV-Positiver das Recht auf kondomlosen Sex - Positiventreffen Nov. 2010 (2)

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Update 22.11.2010: Mittlerweile hat Marcel seinen Text unter o.g. Link "aktualisiert", die ursprüngliche Überschrift und das Zitat sind darin nicht mehr zu finden. 

Samstag

STOP SEROPHOBIE



STOP SEROPHOBIE - eine kanadische Kampagne gegen Ablehnung und Ausschluss von HIV-positiven Menschen.

Donnerstag

Neue Perspektiven

The storys are told, the life's disappearing, the pictures are gone - not now, not tomorrow!

Still aus BLUE | (c) Bild: Salzgeber

Still aus COMMON THREADS - Storys from the Quilt | (c) Bild: Salzgeber


Derek Jarmans BLUE und COMMON THREADS von Robert Epstein & Jeffrey Friedman. Im Rahmen von CELLULOID AGAINST AIDS - der etwas anderen Filmnacht zum Welt Aids Tag.

Eine Filmveranstaltung zum Welt-Aids-Tag? Natürlich!

Mit roten Schleifen, freundlichen politischen Worten und Charity? NEIN!

CELLULOID AGAINST AIDS - ist der Versuch, mit "filmischen Mitteln" bei diesem vielfach problematisch besetzten "Thema" neue Perspektiven aufzuzeigen.

Wir glauben daran, dass das Kino mit den Leuten noch etwas anstellen und bewegen kann.

Für uns ist AIDS zuerst eine soziale Krankheit. Ihre Symptomen: Ausgrenzung, Diskriminierung, Heuchelei und Hass - hervorgerufen durch Angst, Unwissenheit, Ignoranz - und auch Homophobie.

Unser Filmprogramm: BLUE (GB 1994) und COMMON THREADS (USA 1989).

Auf den ersten Blick nur zwei Filme aus der Zeit, als alle starben "wie die Fliegen" - ein neuer Ansatz scheint da kaum drin zustecken.

Uns erscheint es notwendig, überhaupt erstmal anzuschauen worüber wir eigentlich reden und wo wir herkommen. Diese Filme zeigen jedoch auch eine Entwicklung auf, die ins Heute verweist.

COMMON THREADS beschäftigt sich (zeitlich gesehen) mit dem Ausbruch des Virus, die Ursuppe quasi. Aber gleichzeitig sprechen die Menschen dieses Films über Themen, die auch heute hochaktuell sind: Im Kern, dass Recht Infizierter, genauso respektiert zu werden wie (und durch) Nichtinfizierte.

Derek Jarman's BLUE verweist ins Heute: Denn obwohl ihm die Krankheit sein Augenlicht raubte,  hat er einfach mit dem weiter gemacht, was er tun wollte: Filme drehen.

Diese Filme zeigen jedoch auch eine Entwicklung auf, die ins Heute verweist.

In Ersterem lernt man Schicksale kennen, die sich wortwörtlich in ihr Schicksal ergeben haben. Das wäre Derek Jarman nicht in den Sinn gekommen, das war für ihn keine Option.

Er ließ sich nicht vom "Virus" beirren. Genau darum geht es ja, darum soll es in dieser Filmnacht gehen.

Und natürlich um zwei außergewöhnliche Filme.